Naturschutzorientierte Landwirtschaft
Günztal Weiderind
Das gängige Postkarten-Landschaftsbild des Allgäus ist stark geprägt von kleinteiligen blütenreichen Weideflächen, welche von Mai – November mit großen Flecken übersät sind: schwarz-weiß, braun-weiß oder braun. Die Milchwirtschaft ist der Exportschlager mit Allgäu-Charme. So viel zum südlichen Allgäu.
Bei uns im Günztal schaut das ganz anders aus. Hier stehen die vielen Rinder in großen Ställen und Maschinen holen das Futter von den Wiesen. Das Futter wird häufig gemäht, dann zu den Tieren gebracht und die „Überbleibsel“ werden wieder auf die Wiese gefahren. Das Ergebnis: artenarme Wiesen, soweit das Auge reicht und trotz üppiger Ernte muss noch Kraftfutter zugekauft werden, um die Hochleistungsrinder mit ihrer extrem hohen Milchleistung ausreichend ernähren zu können.
Unsere Alternative heißt „Günztal Weiderind“. Sie hinterfragt das gängige System, indem sie auf extensive Beweidung setzt. Damit trägt sie bei zum Naturschutz, zum Erhalt gefährdeter Arten und zu verantwortungsvollem klimaschonendem Fleischkonsum. Ein System, welches die Interessen von Natur, Nutztier und Mensch optimal in Einklang bringt.
Projektzeitraum: 2011 – heute
Partner: Günztal Weiderind ist eine Initiative der Stiftung Kulturlandschaft Günztal und Landwirt*innen im Günztal, in Kooperation mit der Regierung von Schwaben, den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Slow Food Allgäu.
Fakten
Ziele und Aufgaben
Förderung der Biologischen Vielfalt durch Beweidung
Viele wissenschaftliche Studien zeigen heute: Beweidung stellt einen Schlüsselfaktor beim Erhalt der Biodiversität dar. Während die Mahd meist die gesamte Vegetationsstruktur einer Fläche auf einen Schlag verändert, findet diese Veränderung auf der Weidefläche kontinuierlich statt. So stehen z.B. Blüten als Nahrungsquelle für Insekten auf einer extensiven Weide permanent zur Verfügung. Auch die Kuhfladen bieten einer Vielzahl von Insekten Nahrung. Diese wiederum ernähren Vögel und andere Kleintiere. Um die Strukturvielfalt auf den Weideflächen weiter zu erhöhen werden, falls möglich, auch Landschaftselemente wie z.B. Gräben, Feucht- und Uferstellen in die Beweidung integriert. Neben diesen positiven Effekten auf die Artenvielfalt, trägt eine naturnahe Beweidung außerdem zum Schutz von Wasser, Boden und Klima bei.
Ein Rückgang der Artenvielfalt lässt sich aber auch in anderen Bereichen beobachten. Neben dem Verschwinden vieler wild lebender Tier- und Pflanzenarten, ist in den letzten Jahrzehnten auch die Zahl der landwirtschaftlich genutzten Tier- und Pflanzenarten, die sogenannte Agrobiodiversität, stark zurückgegangen. Auch an diesem Punkt setzt das Projekt Günztal Weiderind an. Nach dem Motto: „Schutz durch Nutzung“ werden beim Günztal Weiderind wertvolle Grünlandflächen durch vierbeinige Landschaftspfleger erhalten.
Erhalt einer alten Rinderasse
Das Original-Braunvieh ist die ursprüngliche Rinderrasse des Allgäus. Seine Heimat ist das bayerische und württembergische Allgäu mit den Landkreisen Ober-, Unter- und Ostallgäu sowie den Landkreisen Lindau und Ravensburg. Als traditionelle Zweinutzungsrasse liefert das Original-Braunvieh sowohl Milch als auch Fleisch.
Die stark gefährdete Nutztierrasse „Original Braunvieh“ wird in der Region, in der sie einst entstanden ist, zum Einsatz gebracht und gefördert.
Tierwohl
Bis zu ihrer Schlachtung behalten die Tiere ihre Hörner. Die Schlachtung erfolgt schonend und frühestens nach 24 Monaten. Damit ist garantiert, dass die Rinder mindestens zwei Sommer auf der Weide verbringen. Die Etablierung einer Schlachtbox zur Vermeidung von Stress und Tierleid ist außerdem ein wichtiger Teil des Projektes.
Unterstützung lokaler, naturnah arbeitender Landwirt*innen
Durch den Kauf der Günztal-Weiderind Produkte werden lokale Landwirte und verarbeitenden Betriebe unterstützt. Durch kurze Anfahrtswege für die Schlachtung, die Verarbeitung und den Verkauf des Fleisches werden weniger Ressourcen verbraucht.
Ergebnisse
Aktueller Stand
Wir fördern den Erhalt des Weiderinds, indem wir für die Tiere wieder eine Nutzung sichern. Seit 2008 weiden Rinder der Rasse „Original Braunvieh“ auf Biotopverbundflächen an der Günz. Die Landwirte sind dabei unsere wichtigsten Projektpartner, die mit der extensiven Beweidung der Naturschutzflächen einen wichtigen Beitrag zum Grünlandschutz leisten.
Kooperation
Weiderind-Betriebe
Ohne die gute Zusammenarbeit mit den aktuell fünf engagierten Weidebetrieben, die regionales Weidefleisch in Direktvermarktung anbieten, wäre es uns nicht möglich Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam zu denken und vor allem umzusetzen.
Die Betriebe verkaufen ihr Fleisch teilweise direkt auf dem Hof oder auf regionalen Märkten. Dabei werden alle Teile vom Rind verarbeitet.
Ein Projekt mit enormem Potential für den Erhalt der Biodiversität, den Ausbau regionaler Direktvermarktung und die Förderung umweltbewussten Konsumverhaltens.
Biodiversiät
Artenvielfalt durch Strukturvielfalt
Das „Original Braunvieh“ arbeitet im Günztal als Landschaftspfleger, indem es die Naturschutzflächen abweidet und so für den Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt sorgt. Durch das langsame und schonende Abweiden der Flächen können Grünlandbewohner wie Vögel oder Insekten viel besser ausweichen. Durch das bevorzugte Fressen bzw. auch verschmähen von Pflanzen, entsteht ein größerer Strukturreichtum auf der Fläche als z.B. beim Mähen. Zusätzliche ökologische Nischen entstehen durch den Tritt und offene Bodenstellen oder auch durch den Kot der Tiere. Und nicht zuletzt können auch wieder Wasserflächen oder Gehölze auf den Weideflächen neu entstehen. Die Tiere passen sich flexibel der Landschaft an, ganz im Gegensatz zur maschinellen Mahd, wo meist die Landschaft an die Erfordernisse der landwirtschaftlichen Mähgeräte angepasst wird.
Artenschutz
Erhalt einer alten Nutztierrasse
Die Vorteile des „Original Braunvieh“ liegen auf der Hand. Als robustes und anpassungsfähiges Weiderind erbringen die Tiere auch bei energiearmem Futter eine gute Milchleistung und liefern zudem feinstes Weiderindfleisch. Dies beweist auch die Aufnahme des „Original Braunvieh“ im Allgäu in die sogenannte „Arche des Geschmacks“ von Slow Food. Grund dafür ist nicht zuletzt die hervorragende Qualität des Rindfleisches, das auch höchsten Ansprüchen genügt. Es gibt also Argumente genug die Tiere im Günztal wieder zu etablieren. Diese verbreiten wir erfolgreich.
Wissenschaft
Studien & Zukunft
Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnten wir bereits nachweisen, dass die biologische Vielfalt auf den Weideflächen deutlich zugenommen hat. Das Projekt „Günztal Weiderind“ wollen wir in Zukunft weiter ausbauen. Dabei möchten wir künftig noch mit weiteren Weidebetrieben zusammenarbeiten und die Marke „Günztal Weiderind“ bei den Verbrauchern bekannter machen.
Materialien
Downloads
Infos